Podiceps nigricollis
Alljährlicher Brutvogel am Untersee (Wollmatinger Ried und bei Radolfzell) mit durchschnittlich >70 erfolgreichen Bruten (maximal 92 Familien, 1995), unregelmäßig auch im Rheindelta brütend. Mauserplätze im Ermatinger Becken und im Rheindelta werden im Juli/August von etwa 300 Ind. (maximal 420 Ind. 30.7.1989 Ermatinger Becken, H. Jacoby) besucht. Als Durchzügler mit Gipfel im September/Oktober (etwa 400 Ind.), ab Dezember in geringerer Zahl (100 - 200 Ind.), neuerdings deutlicher Frühjahrsgipfel.
Abb. 2.16: Schwarzhalstaucher - Jahreszeitliches Auftreten nach Zufallsbeobachtungen von 1981-95 (Pentadensummen).
Bedingt durch den späten Anstieg des Sees bleiben in manchen Jahren große Trupps noch im Mai in „Warteposition“ auf der freien Wasserfläche, z.B. hielten sich 1989 am 27.5. bei Pegel 344 cm (Hafenpegel Konstanz) 213 Ind. im tiefen Westteil des Ermatinger Beckens auf, und am 17.6. harrten dort bei nur 6 cm höherem Wasserstand immer noch 203 Vögel aus (H. Jacoby).
Für die wechselnde Bevorzugung bestimmter Seeabschnitte als Mauser-, Zugrast- oder Winterplatz gibt es zwar keine ausreichende Erklärung, naheliegende Hauptursache sind jedoch die ständigen Veränderungen in der Fischfauna. Der ehemals beachtliche Rang der Seetaucherstrecke als Winterplatz wurde nicht wieder erreicht (Schuster et al. 1983). Neuerdings gewinnt die Rheinrinne im Ermatinger Becken, die schon bisher wichtigster Nahrungsplatz der Mauservögel war, auch für die Winterpopulation an Bedeutung.
Tab. 2.2 Brutbestand bzw. -erfolg Die Zahlen geben Paare (P) bzw. Familien (F) an.
| Wollmatinger Ried | Raum Radolfzell | Rheindelta | Summe | |
|---|---|---|---|---|
| 1982 | 24 F | 2 F | 3 P | 29 |
| 1983 | 54 F | 9 F | 7 P | 70 |
| 1984 | 52 F | 3 F | 6 P | 61 |
| 1985 | 19 F | 2 F | 21 | |
| 1986 | 64 F | 6 F | 3 F | 73 |
| 1987 | 15 F | 21 F | 0 P | 36 |
| 1988 | 35 F | 14 F | 0 P | 49 |
| 1989 | 5 F + (20 F*) | 1 F | 26 | |
| 1990 | 53 F + (12 F*) | 9 F | 1 F | 75 |
| 1991 | 15 F | 9 F | 1 F | 25 |
| 1992 | 51 F | 26 F | 2 F | 79 |
| 1993 | 38 F | 18 F | 2 F | 58 |
| 1994 | 55 F | 16 F | 2 F | 73 |
| 1995 | 59 F | 33 F | 2 P | 94 |
(*) Bei Reichenau-Niederzell erfaßt, vermutlich abgewanderte Familien aus dem Wollmatinger Ried
Tab. 2.3 Mauserbestand (Maxima im Juli/August):
| 82 | 83 | 84 | 85 | 86 | 87 | 88 | 89 | 90 | 91 | 92 | 93 | 94 | 95 | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Ermatinger Becken | 212 | 318 | 304 | 170 | 403 | 358 | 200 | 420 | 295 | 157 | 157 | 360 | ||
| Rheindelta | 94 | 140 | 220 | 115 | 180 | 135 | 105 | 67 | 79 | 181 |
Tabelle 2.2 zeigt die Entwicklung des Brutbestands. Die Bruterfolge der Population im Wollmatinger Ried (einschließlich Hegnebucht des Gnadensees) führten zu einer deutlichen Stabilisierung des Bestands und ermöglichten wahrscheinlich die Besiedelung mehrerer Plätze im Raum Radolfzell (Radolfzeller Aachmündung, Hornspitze, Mettnau). Im Gegensatz dazu zeigt die kleine Brutpopulation des Rheindeltas bisher keine entsprechende Tendenz. Eine erfolgreiche Brut zwischen Bottighofen und Münsterlingen (am 23.8.1988 eine Familie mit nicht flüggem juv., M. Schneider) blieb ebenso eine Ausnahme wie eine Brut 1979 auf dem Hagstaffelweiher bei Dettingen.
Abb. 2.17: Schwarzhalstaucher - Vorkommen nach Brutzeitkartierungen von 1980-81 und 1990-92.
Abb. 2.18: Schwarzhalstaucher - Entwicklung der Bestände nach Daten der WVZ von 1962/63-1995/96, Mittelwerte aus 8 Zählungen zwischen September und April.
Am 29.7.1987 erbeutete eine ad. Weißkopfmöwe zwei frisch geschlüpfte juv. Schwarzhalstaucher (H. Jacoby). Wie schon 1987 zwang der starke Verfolgungsdruck durch zwei ad. Weißkopfmöwen auch 1988 die Schwarzhalstaucherfamilien im Ermatinger Becken zu Verhaltensänderungen. Die Familien blieben entweder in Schilfnähe oder wanderten aus dem Gebiet nach Westen ab. Zweimal erbeuteten die Weißkopfmöwen adulte Schwarzhalstaucher in Schwingenmauser, waren aber außerstande, die Beute zu verschlingen (H. Jacoby). Auch in der Brutzeit 1989 wanderten die Familien wegen anwesender Weißkopfmöwen wieder früh ab. Im Ermatinger Becken hielten sich später nur 5 Familien mit 5 juv. auf (B. Porer), bei Reichenau-West waren dagegen 25 Familien mit 34 juv. (U.v. Wicht).
Zur Sicherung der Aufzucht- und Mauserplätze müßten zusätzlich zu den bereits bestehenden Reservaten ausreichend große Wasserflächen als Schutzzonen ausgewiesen werden (Hornspitze, Teile des Markelfinger Winkels und des Wetterwinkels).
Harald Jacoby