Singschwan

Cygnus cygnus

Status

Alljährlicher Wintergast von Oktober/ November bis März/April.

Ergänzende Bemerkungen zum jahreszeitlichen Auftreten

Die ersten Beobachtungen liegen nur in wenigen Jahren schon im Oktober.

Früheste Erstdaten:

7.10.1979 1 Ind. Eriskircher Ried (Schuster et al. 1983)
8.10.1997 3 Ind. Eriskircher Ried (G. Knötzsch)
14.10.1992 2 Ind. Ermatinger Becken (B. Porer)

22.10.1990 5 Ind. Rheindelta (M. Deutsch) und

2 Ind. Ermatinger Becken (B. Porer)

Die Maxima werden im Januar oder Februar erreicht. Mitte März werden je nach Witterung unterschiedliche Bestände gezählt: 1988 und 1990 waren die Singschwäne zu dieser Zeit bereits alle abgezogen, dagegen waren 1993 noch 324 Ind. und 1996 200 Ind. anwesend. Die beiden letztgenannten Frühjahre waren durch starke Kälte (längere Perioden mit Eistagen) gekennzeichnet.

Abb. 2.37: Singschwan - Jahreszeitliches Auftreten nach Daten der WVZ von 1962/63-1995/96 (Monatsmittel­werte).

Beobachtungen des aktiven Wegzuges sind z.B.:

25.2.1990 30 Ind. um 21 h über Weingarten nach N ziehend (G. Pfitzer)
21.3.1987 19 Ind. um 18.30 h vom Ermatinger Becken nach Nord/Nordost abziehend (F. Schaefer, M. Schneider)
21.3.1993 30 Ind. Eriskircher Ried um 18.10 h nach Nordost abfliegend (E. Seitz)

Letztdaten:

18.4.1993 3 juv. Ermatinger Becken (H. Jacoby)
19.4.1975 1 Ind. Rheindelta (Schuster et al. 1983)

Verbreitung und Bestand

Wie früher sind das Ermatinger Becken (mit Hegnebucht), das Eriskircher Ried, das Rheindelta und die Luxburger Bucht Überwinterungsplätze, die regelmäßig aufgesucht werden (vgl. Schuster et al. 1983). Bedingt durch den Bestandsanstieg nutzen die Singschwäne seit 1984/85 fast regelmäßig weitere Plätze, wie Arbon-Steinach, die Buchten bei der Mainau, die Seefelder Aachmündung, den Rhein bei der Bibermühle und das See-Ende bei Eschenz/Stein a. Rhein (siehe auch Schneider-Jacoby et al. 1991). Dazu kommen noch weitere Orte, die nur einmal pro Winter besucht wurden. Bevorzugte Liegeplätze sind durch breite Röhrichtgürtel als Schutz gegen Störungen vom Land her und eine ausgedehnte Flachwasserzone gekennzeichnet. Zwischen den einzelnen Plätzen gibt es wie schon früher (Schuster et al. 1983) regen Austausch, der vom Wasserstand (Erreichbarkeit der Nahrung), den Nahrungsvorräten und den Störungen abhängt.

Abb. 2.38: Singschwan - Verbreitung nach Daten der WVZ von 1962/63 - 1981/82 und 1982/83 - 1995/96.

Der Überwinterungsbestand hat seit 1968/69 (Schuster et al. 1983) ziemlich kontinuierlich zugenommen (Abb. 2.39).

Seit 1991 übersteigen die Wintermaxima und seit 1991/92 und 1995/96 die Monatswerte im Januar und Februar das Kriterium für internationale Bedeutung (250 Ind.; Rose & Scott 1994). Das bisheriges Maximum wurde im Februar 1997 mit 443 Individuen erreicht. Der Bodensee war schon früher das bedeutendste Überwinterungsgewässer im südlichen Mitteleuropa (Schuster et al. 1983) und hat seither an Bedeutung noch zugenommen.

Suter & Schifferli (1988) haben die Zählwerte von Mitte Januar (1967-1987) für die Schweiz und deren Grenzgebiete, die zu 96 % vom Bodensee stammen, ausgewertet. Sie führen die Zunahme auf einem Anstieg der Brutpopulation in Fennoskandien und Westsibirien zurück, weisen aber darauf hin, daß die Zunahme im Bodenseegebiet möglicherweise stärker ist.

Der Anteil an Jungvögeln schwankt von Jahr zu Jahr beträchtlich. Er betrug von 1960/61-1969/70 17 % und von 1971/72-1981/82 12 % (Schuster et al. 1983). Seither fehlen in einigen Jahren genaue Ermittlungen. 1988/89 wurden bei einem Maximalbestand von 160 Ind. maximal 47 Junge gezählt (29 %). 1990/91 waren es etwa 30 %, 1993/94 jedoch nur 11 %.

Abb. 2.39: Singschwan - Entwicklung der Bestände nach Daten der WVZ 1962/63- 1995/96, Mittelwerte aus 8 Zählungen zwischen September und April.

Seit Anfang der 1990er Jahre suchen die Singschwäne zunehmend auf seenahen Wiesen und Feldern (Saat, Raps) nach Nahrung. So wurden am 29.12.1992 90 Ind. im Gaißauer Ried beobachtet (V. Blum, E. Winter). 1995/96 hielten sich u.a. bis zu 21 Ind. bei Tägerwilen (G. Leutenegger, E. Thalmann), bis zu 19 Ind. bei Egnach (P. Lehner, P. Willi) und im Januar 3 Jungvögel bei Eschenz (H. Leuzinger) auf Feldern auf.

Im Januar und Februar 1993 hielt sich ein Singschwan mit einer gelben Halsmanschette im Ermatinger Becken auf. Dieser war als Jungvogel am 7.2.1992 in Amere-Buiten (Gelderland) in den Niederlanden beringt worden. Das ist ein Hinweis darauf, daß Singschwäne von Jahr zu Jahr ihr Winterquartier über größere Distanzen hinweg wechseln können.

Analyse der Veränderungen

Die Hauptnahrung des Singschwanes bildeten lange Zeit die Turionen (knollenförmige Dauerknospen) des Kamm-Laichkrauts (Potamogeton pectinatus), dessen Knollen aus dem Sediment ausgegraben werden (Schneider 1986a). Infolge des Massenvorkommens stand diese Nahrung von den 1960er Jahren bis Anfang der 1990er Jahre in den Flachwasserzonen reichlich zur Verfügung. Ab 1985 konnte im Ermatinger Becken das Nahrungsangebot besser genutzt werden, da sich beim Singschwan durch die weitgehende Einstellung der Jagd die Fluchtdistanz erheblich reduzierte (Schneider-Jacoby et al. 1991). Als Folge der neuen Oligotrophierung gibt es jedoch in letzter Zeit weniger Kamm-Laichkräuter (siehe Schmieder Seite 58). Vermutlich sind die Singschwäne deshalb gezwungen, neue Nahrungsplätze aufzusuchen und andere Nahrungsquellen, wie Felder und Wiesen, zu nutzen. Nach Harengerd et al. (1990) sind Tieflandflüsse und Seen die wichtigsten Überwinterungsplätze in Deutschland. Die Habitate am Bodensee weisen eine Mischung aus Fluß- und Seebereichen auf.

Martin Schneider-Jacoby