Artenzusammensetzung und Bestandsgrößen

Am Bodensee treten 33 Wasservogelarten (ohne Gänse) regelmäß auf. Dies entspricht annähernd der im gesamten binnenländlichen Mitteleuropa zu beobachtenden Arten. Zu ihnen zählen sieben Arten der EU-Vogelschutzrichtlinie, eine weltweit bedrohte Art, elf Arten mit europäischer Schutzpriorität und zwei europaweit schutzwürdige, nicht gefährdete Arten:

Gefährdete Arten am Bodensee

Der eutrophe Untersee weist mit seinem hohen Flachwasser- und Schilfanteil und seiner ausgedehnten Uferlinie Arten und Bestandszahlen auf, die jene des Obersees deutlich übertreffen.
Die Entwicklung der Wasservogelbestände am Bodensee im Verlauf des Winterhalbjahres und die Bedeutung des Sees für die einzelnen Arten wird am besten aus den langjährigen Mittelwerten für die Monate September, November und Januar deutlich, in denen fast alle Wasservogelarten ihren Bestandsgipfel während der Zugrast- und Überwinterungsperioden erreichen.
Der September ist am Bodensee durch das Ende der Brutperiode spät nistender Individuen etwa von Hauben- und Schwarzhalstaucher, Reiherente und Höckerschwan sowie durch Mauserbestände hier brütender oder zugewanderter Vögel (darunter Reiher- und Kolbenente) gekennzeichnet. Maximal hielten sich 1990 105.500 Wasservögel in diesem Monat am Bodensee auf.
Bei der Novemberzählung haben sich die Verhältnisse durch die Zuwanderung großer Scharen von Tauchenten (Reiher- und Tafelente, Schellente), Bläßhuhn sowie von Singschwan, Gründelenten (vor allem Krick-, Stock- und Schnatterente) und Kormoran, bei gleichzeitiger Abwanderung vieler Schwarzhals- und Haubentaucher sowie der Kna¨kente, deutlich verändert. Durch riesige Ansammlungen von Dreissena-Konsumenten, die am See zahlenmäßig dominieren, kann zu diesem Zeitpunkt im Jahresverlauf der mit Abstand größte Wasservogelbestand festgestellt werden (Maximum 1988 mit 274.500 Individuen).
Im Januar sind wiederum deutliche Veränderungen in der Artenzusammensetzung und in den Bestandszahlen festzustellen. Die Kolbenente ist bis auf wenige Individuen abgewandert, die Bestände der Dreissena-Konsumenten sind deutlich geringer als im November, aber immer noch vorherrschend, und die für einen Binnensee erstaunlich hohen Bestände überwinterndeer Seetaucher, Meeresenten, Schellenten und Gänsesäger erreichen in diesem Monat ihren Höhepunkt. Im Januar 1996 wurde die bis dahin höchste Zahl an überwinternden Wasservögeln (226.600 Individuen) am Bodensee gezählt.

Die Reiherente ist im Winterhalbjahr am Bodensee die häufigste Wasservogelart, gefolgt von Bläßhuhn und Tafelente.
Die Gründelenten sind nach den Tauchenten zahlenmäßig die zweitwichtigste Gruppe der Wasservögel am Bodensee. Unter den Gründelenten dominiert im langjährigen Mittel die Stockente, gefolgt von Schnatter- und Krickente.
Außergewöhnlich große binnenländische Überwinterungsbestände weisen zudem Löffel- und Spießente auf.
Mit Wintersummen von über 50.000 Vögeln bilden die Fischfresser inzwischen nur noch gut 5 % der Rast- und Überwinterungsbestände am See. Innerhalb dieser Gruppe steht der Haubentaucher an erster Stelle, gefolgt von Zwergtaucher, Kormoran, Gänsesäger und Schwarzhalstaucher.