Beim 66. Treffen der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Bodensee (OAB) diskutierten rund 90 Ornitholog*innen und Naturschutzfachleute in Romanshorn über aktuelle Beobachtungen und Forschungsergebnisse rund um den Bodensee. Langzeitdaten aus dem Eriskircher Ried und dem Wollmatinger Ried zeigen deutliche ökologische Verschiebungen. Besonders die Überwinterungsgebiete vieler Arten haben sich verlagert: So bleiben heute rund 70.000 Reiherenten weiter nördlich, weil etwa die Ostsee im Winter kaum noch zufriert. Gleichzeitig treten Gründelenten wie die Krickente am Bodensee häufiger auf, während früher viele dieser Tiere bis nach Südfrankreich ausweichen mussten. „Durch den Klimawandel gewinnen wir am Bodensee quasi zufällig einige Arten hinzu – meist nur einzelne Tiere oder Brutpaare“, erklärte OAB-Vorstand Gernot Segelbacher. „Wir verlieren aber weiterhin viele Arten durch intensive Landwirtschaft, Lebensraumzerstörung und Unachtsamkeit.“
Zu den Gewinnern der Winterwasservogelzählung 2024/2025 zählen neben Gänsen, Reihern und Teichhuhn auch der Eisvogel. Meeresenten, Rothalstaucher und auch der Zwergsäger werden hingegen immer seltener im Rahmen der Wasservogelzählungen erfasst. Doch nicht alle Entwicklungen beruhen auf klimatischen Verschiebungen: So nimmt z.B. der Bestand der Stockente europaweit und auch am Bodensee deutlich ab. Ein weiteres Beispiel für die veränderliche ökologische Lage liefert der Kormoran: Seine Zahl ist 2025 um fast ein Drittel zurückgegangen. Als Grund hierfür wird der Einbruch des Stichlingsbestands vermutet – einer wichtigen Nahrungsquelle. „Die Zahlen zeigen, wie wenig wir über das System Bodensee eigentlich wissen und wie fragwürdig Eingriffe wie Abschüsse oder Gelegevernichtung sind“, betonte OAB-Vorständin Lisa Maier.
Die Vogelgrippe spielt derzeit weiterhin keine große Rolle am Bodensee. Während in anderen Regionen Bilder verendeter Kraniche für mediale Aufmerksamkeit sorgen, gilt die Lage für Wildvögel am Bodensee als stabil. Bisherige Nachweise der Vogelgrippe betrafen am Bodensee lediglich einzelne Wasservögel und hatten keine längerfristigen Auswirkungen auf die verschiedenen Populationen.
Große Erwartungen richten sich nun auf die Auswertung der jüngsten Brutvogelkartierung, die bis 2022 durch zahlreiche Ehrenamtliche durchgeführt wurde. Der Brutvogelatlas Bodensee, der im Frühjahr 2026 erscheinen soll, wird ein zentrales Werkzeug für künftige Schutzmaßnahmen sein - und zeigen, wohin die Reise für die Vogelwelt in der Region geht.



