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Kormoran und Fischartenschutz

Der Kormoran wird in den Medien fälschlicherweise immer wieder als Hauptursache für den Rückgang der Fischfangerträge am Bodensee genannt. In diesem Zusammenhang werden dann von politischer Seite und manchen Interessensvertretern Regulierungen der Kormoranzahlen gefordert. In den letzten Jahren wurde zur Thematik ein moderierter Dialogprozess mit Vertretern von Behörden, Fischerei, Artenschutz und wissenschaftlicher Expertise durchgeführt. Nun soll, offensichtlich politisch motiviert, ein Fischartenschutzprojekt mit Kormoranmanagement durchgeführt werden. Dieses beinhaltet insgesamt fünf Maßnahmen zum Fischartenschutz, doch es wird meist nur das Brutmanagement / die Bestandsreduktion erwähnt. Ziel dieses geplanten Managements ist die Reduktion des Bruterfolgs in den Kolonien des Kormorans durch das Einölen der Eier mittels Drohnen. Da die Evidenz fehlt, dass der Kormoran die Fangerträge beeinflusst, werden diese Maßnahmen mit dem Schutz gefährdeter Fischarten in den Zuflüssen begründet (Generalverdacht). In der Diskussion werden dabei veraltete Informationen zu der Anzahl an Kormoranen weiterverbreitet und die aktuelle Bestandssituation des Kormorans am Bodensee nicht berücksichtigt.

 

Die OAB erfasst in ihren Monitoringprogrammen alle Wasservögel am Bodensee von September bis April im monatlichen Rhythmus seit über 60 Jahren. Damit liegt eine sehr gute Datenlage zur Situation der Kormorane im Winterhalbjahr vor. Diese hat sich im entsprechenden Zeitraum verändert. Der allmähliche Anstieg bis Ende der 1980er Jahre ist zunächst dem gezielten Schutz der damals vom Aussterben bedrohten Art geschuldet. Nach einer Plateauphase kam es in den 2010er Jahren zu einem neuerlichen Anstieg, der mit dem massenhaften Auftreten des gebietsfremden Stichlings zusammenfällt. Mit dem Kollaps der Stichlingsbestände im Jahr 2024 deutet sich nun auch ein merklicher Rückgang des Kormoran-Winterbestands an. Der Kormoran ist seit 1997 Brutvogel am Bodensee und die Anzahl an Brutpaaren ist bis 2023 angestiegen. Seither sinkt die Anzahl der Brutpaare am Bodensee aber wieder deutlich, 2025 gab es 28% weniger Brutpaare im Vergleich zum maximalen Brutbestand (vgl. Abb.1). Gleichzeitig war der Bruterfolg gering. Diese dynamische Entwicklung spiegelt sich in der aktuellen Diskussion allerdings überhaupt nicht wieder. 

Abb1: Bestand der Kormoranbrutpaare am Bodensee seit 1997. Die verschiedenen Farben kennzeichnen die entsprechenden Gebiete am Bodensee (Überlinger See, Obersee und Untersee).
Abb1: Bestand der Kormoranbrutpaare am Bodensee seit 1997. Die verschiedenen Farben kennzeichnen die entsprechenden Gebiete am Bodensee (Überlinger See, Obersee und Untersee).

Der Kormoran wird bereits seit über 20 Jahren mit steigender Tendenz am See geschossen. Zuletzt fand jährlich ein Abschuss von etwa 700-800 Vögeln statt. Aktuelle Zahlen werden aus unbekannten Gründen seit mehreren Jahren nicht mehr publiziert. Diese Abschüsse haben aber ganz offensichtlich keinen Effekt auf die Bestandszahlen des Kormorans, weil dieser ein Zugvogel ist, der zwar in großen Zahlen durchzieht, aber nur in vergleichsweise moderaten Beständen rastet (hoher Turnover). Damit stellt sich die Frage, wie sinnvoll weitere Eingriffe in den Bestand sind, natürlich umso mehr.

 

Gleichzeitig muss man immer von möglichen Kollateralschäden, das heißt der Beeinträchtigung anderer Arten, ausgehen. Eingriffe in Brutkolonien, die ausschließlich in Naturschutzgebieten liegen, sind nicht nur wegen der zweifelhaften Wirkung auf den Kormoranbestand als problematisch zu betrachten. Es ist daher völlig unklar, ob diese Maßnahme überhaupt Effekte auf die eigentlich Zielebene des Projekts, den Schutz gefährdeter Fischarten in den Zuflüssen, hat.

 

Für ein Management im Fischartenschutz hält die OAB gezielte lokale Vergrämungsmaßnahmen gegen Kormorane an Hotspots in den Fließgewässern für wesentlich zielführender.