Schelladler "Tönn" vom 15. - 18.11.2017 im Bodenseegebiet

[18.11.17] - Dank GPS kann neben vielen anderen markierten Vögeln der mittlerweile bekannte Schelladler "Tönn" auf seinem Weg Richtung Winterquartier live verfolgt werden. Die Website http://birdmap.5dvision.ee/EE/2017/autumn/t%C3%B5nn?line=1&track=0&speed=1 zeigt den Zugweg mit etwas Verzögerung sehr genau auf. Aus der Aufzeichunung ist herauszufiltern, dass "Tönn" anfangs  Oktober 2017 sein Brutgebiet um Tallinn in Estland verlassen hat, im letzten Oktoberdrittel auf der Höhe von Vilnius Richtung Westen abgebogen ist und am 26.10. Danzig erreicht hat. Dann flog er wieder Richtung Süden, anfangs November nördlich der slovakischen und österreichischen Grenze entlang in südwestliche Richtung, passierte am 15.11. die Region südlich von München und erreichte am Abend des selben Tages den Bodensee. Am 16.11. übermitteln die GPS-Signale einen Aufenthalt im Bereich des Mindelsees. Ein Vielzahl von Bodensee-Ornis hatte sich auf den Weg gemacht, den Schelladler im Gebiet entdecken zu können. Einige hatten das grosse Glück: Detlef Koch sah "Tönn" den Überlinger See überfliegen, Stefan Werner, Roland Steiner und Christian Stauch sahen den Greifvogel am 17.11. beim Mindelsee und am 18.11. entdeckten Christian Stauch, Stefan Werner,Gernot Segelbacher und Bern Geiges "Tönn" bei Steisslingen um ca. 11.00 Uhr Richtung Westen abfliegen. Die letzte Ortung am 18.11. abends stammt aus dem Gebiet ca. 4 km südwestlich von Blumberg (Quellen: ornitho.de und ornitho.ch).

 

update 22.11.17: Das GPS-Signal meldet einen Standort etwa 8 km NW von Bern in der Schweiz.
update 20.11.17: "Tönn" hält sich mittlerweile 10km westlich des Hallwilersees bzw. ca. 15km NNW von Sempach in der Schweiz auf

Schelladler "Tönn" am 18.11.2017 bei Steisslingen | Foto: Stefan Werner
Schelladler "Tönn" am 18.11.2017 bei Steisslingen | Foto: Stefan Werner
Zugroute von Schelladler "Tönn" seit Anfang Oktober bis 18.11.2017
Zugroute von Schelladler "Tönn" seit Anfang Oktober bis 18.11.2017


Steppenmöwe "K793" wieder in Kreuzlingen

Steppenmöwe, "K793", Kreuzlingen, 16.11.2017 | Foto: Tobias Schleusser
Steppenmöwe, "K793", Kreuzlingen, 16.11.2017 | Foto: Tobias Schleusser

[17.11.17] - Die über 18-jährige Steppenmöwe, die 1999 in Weiss-russland mit der roten Hülse "K793" markiert wurde, ist wieder am Bodensee bzw. an ihrem traditionellen Ort in Kreuzlingen eingetroffen. Tobias Schleusser entdeckte und fotografierte die Möwe am 16.11.2017 vor Ort.

(Quelle/Link: http://www.ornitho.ch/index.php?m_id=54&mid=470801)


Ist der Kormoran schuld?

Bei der Jahrestagung der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Bodensee trafen sich am 04.11.2017 über 70 Vogelkundler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in Romanshorn. Einen ganzen Tag lang diskutierten die ehrenamtlich tätigen Beobachter aktuelle Entwicklungen der Vogelwelt. Einer der Schwerpunkte stellten die neuesten ökologischen Entwicklungen am Bodensee dar. Neben der Zunahme invasiver Muscheln und Krebse wurde auch über den Rückgang der Felchenerträge, die bedrohliche Sauerstoffabnahme in tieferen Schichten, und das Absinken der Phosphatwerte im Seewasser auf Werte wie in den 1950er Jahren berichtet.

Abbildung 1: Kormoranbrutpaare am Bodensee: Daten: Ornithologische Arbeitsgemeinschaft Bodensee
Abbildung 1: Kormoranbrutpaare am Bodensee: Daten: Ornithologische Arbeitsgemeinschaft Bodensee
Kormoran (Foto: Stefan Werner)
Kormoran (Foto: Stefan Werner)

Für Fragen zum Thema stehen folgende Vertreter der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Bodensee (OAB) zur Verfügung:

 

Dr. Hans-Günther Bauer, Vogelwarte Radolfzell, 07732 150 150

Dr. Stefan Werner, 0041 775202689

Prof. Dr. Gernot Segelbacher, Universität Freiburg, 0761 203 3798

[09.11.17] - Im Bodensee finden derzeit also tiefgehende ökologische Veränderungen statt. Dessen ungeachtet forcieren die Fischereibehörden nun eine angeblich umsetzbare Maßnahme, um den Ertragsrückgang der Berufsfischer umzukehren: ein sogenanntes Kormoran-Management. Trotz der scheinbar immer weniger werdenden Fische im See, steigt der Kormoran-Brutbestand weiter an (Abbildung 1). Ist der Kormoran denn so viel effizienter als unsere Berufsfischer?

 

Die Erklärung muss nach Ansicht der Ornithologen allerdings anders-wo gesucht werden:  Der Kormoran jagt vor allem kleine Schwarm-fischarten, die von den Fischern nicht genutzt werden. Aus Abschüssen von jährlich rund 600 bis 700 Kormoranen am Bodensee weiß man, dass er derzeit primär Stichlinge frisst. Diese nur etwa 10 cm kleine Fischart ist im Bodensee nicht heimisch. Doch heute bildet sie gemäß den Fischereibehörden über 80% aller Fische im Freiwasser des Bodensees. Der Stichling ist wirtschaftlich nicht nutzbar, im Gegenteil: er verhakt sich mit seinen Stacheln in Fischer-netzen und verursacht dadurch Schäden. Inzwischen wird sogar untersucht, wie sehr der Stichling als Konkurrent des „Brotfisches“ Felchen zu gelten hat. Insofern kann der Kormoran durchaus als „Helfer“ der Felchen betrachtet werden. Das Ausmaß der angeblichen Konkurrenz zwischen Kormoran und Fischer hingegen ist dadurch unklarer als je zuvor. Für den Rückgang der Felchen ist der Kormoran jedenfalls nicht verantwortlich zu machen.

 

Der Bodensee ist national und international ein Paradies für diverse Wasservögel. Werden nun Kormorane am Bodensee abgeschossen, füllen Kormorane von der Ostsee diese Lücke, die durch die abgeschossenen Vögel hinterlassen wird, rasch wieder auf. Die Anzahl der am Bodensee beobachteten Vögel bleibt unverändert. Die bisherigen Abschüsse erreichen daher nicht die gewünschte Wirkung einer Reduktion des Kormorans – geschweige denn einer fischerei-lichen Verbesserung. Über die verheerenden Folgen solcher Aktionen in Naturschutzgebieten (nur dort brüten Kormorane) auf andere geschützte Vogelarten wird meist geschwiegen. Denn die Bodensee-anrainer tragen eine hohe internationale Verantwortung für manche Vogelart: Allein von der charismatischen, störungsempfindlichen Kolbenente können 40% der gesamten Zugpopulation am Bodensee rasten - beim Kormoran sind es hingegen maximal 0.5%. Soll hier der Naturschutz am Bodensee einer offensichtlich unwirksamen Maßnahme geopfert werden?

 

Dass Fischer und Kormorane an großen Seen auch ohne Nachstellung des schwarzen Vogels nebeneinander existieren können, zeigt die INTERCAFE-Studie. Diese bisher umfangreichste Studie zum Thema Kormoran fasst die Erfahrungen aus 28 europäischen Staaten unter Beteiligung sämtlicher Nutzer- und Schutzgruppen zusammen und zeigt, dass man gemeinsam zu besseren Lösungen kommt (http://www.intercafeproject.net/).




Der neue OAB-Jahreskalender 2018 zum 60-Jahr-Jubiläum

jetzt bestellen!

[02.11.17] - Ein oft geäusserter Wunsch ist nun realisiert worden: Ein Vogelkalender für die OAB! Eine Fotografin und mehrere Fotografen aus den Reihen der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Bodensee haben Fotos zu diesem schönen Werk beigesteuert. 13 Motive (Vögel und Landschaften aus dem Bodenseegebiet) schmücken die einzelnen Monatskarten und das Titelblatt, die in einer praktischen und auf dem Tisch aufstellbaren Box Platz finden. Karte Nr. 14 ist die Rückseite, versehen mit einer Übersicht der Fotos und einem kurzen Text zur OAB. Jede Karte kann zudem als Postkarte weiterverwendet werden! 
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Der "OAB-Jahreskalender 2018" kann per Bestellformular bestellt werden.

Angaben:
Verkaufspreis: CHF 15.00 | EUR 13.00
- Bei Postversand kommen Porto und Verpackung hinzu (CHF/EUR 2.00). Der Versand erfolgt in einem geschützten Kartonschuber.
- Masse der Karten (inkl. Kalenderteil): 18,4 x 10,5 cm

Der Erlös aus diesem Kalenderverkauf kommt der OAB zugute.

Adolf Dietrich - Mondschein über dem See

BILDERAUSSTELLUNG IN DER KARTAUSE ITTINGEN VOM 27. AUGUST BIS 17. DEZEMBER 2017

[22.09.2017] - Das Kunstmuseum Thurgau zeigt im Ittinger Museum der Kartause Ittingen vom 27.08. bis 17.12.2017 eine bemerkenswerte Ausstellung des bekannten Schweizer Malers Adolf Dietrich.
Der Titel der Ausstellung "Mondschein über dem See" widerspiegelt einerseits den Geburts- und Schaffensort des Malers in Berlingen am Untersee und andererseits seine tiefe Liebe zur Natur. Geboren 1887 in sehr bescheidenen Verhältnissen arbeitete Dietrich während Jahren als Tagelöhner am Untersee, daneben malte er in der Stube des elterlichen Hauses mit einfachsten Mitteln bis zu seinem Tod im Jahr 1957. In der Schweiz lange Zeit als Künstler unbekannt geblieben war es das Verdienst eines Galeristen aus Mannheim, der den Maler Dietrich entdeckte und mehrere bedeutende Ausstellungen in Deutschland organisierte. Adolf Dietrich blieb zeitlebens ein sehr bescheidener Mensch, während er heute zu den bedeutendsten Schweizer Malern zählt und seine Werke  international hohe Beachtung finden. -- Die Ausstellung in der Kartause Ittingen ist mehr als sehenswert. Zu sehen sind zahlreiche Landschaftsbilder vom Untersee und von Vögeln aus dem Nachlass des Künstlers und aus privaten Sammlungen.

Adolf Dietrich - Seevögel, undatiert (um 1929) und Winterlandschaft mit Schienerberg 1933 | Fotos ST

 

Infos des Museums Ittingen zur Ausstellung

Video zur Ausstellung

Sendung Schweizer Fernsehen SRF vom 27.08.2017




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