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Ornithologischer Jahresrückblick 2025

Pegelverlauf Konstanz - Quelle: https://www.bodenseee.net/pegel/
Pegelverlauf Konstanz - Quelle: https://www.bodenseee.net/pegel/

Das Vogeljahr 2025 hatte am Bodensee nahezu alles zu bieten, was das Herz von Ornithologinnen und Ornithologen höherschlagen lässt. Bereits der Winter beeindruckte mit auffallend großen Ansammlungen von Tauchenten. Besonders im Markelfinger Winkel, vor Moos an der Mainau, aber auch an vielen weiteren Stellen rund um den Bodensee sammelten sich tausende Wasservögel. Wer ein geübtes Auge und etwas Erfahrung mitbrachte, konnte darunter immer wieder Hybriden oder seltenere Gäste wie Bergenten ausmachen. Auch ein genauer Blick auf Möwen lohnte sich: Im Januar ließen sich z.B. an der Stockacher Aachmündung sieben Möwenarten gleichzeitig beobachten.

 

Ein bedeutender Erfolg für den Naturschutz der vergangenen Jahre ist die Ausweisung des Naturschutzgebietes Markelfinger Winkel. Über den gesamten Winter hinweg wurde deutlich, wie wichtig störungsfreie Überwinterungsgebiete für die vielen tausend rastenden Enten und Blässhühner sind. Im Rahmen der Winterwasservogelzählung bestätigte sich erneut, dass viele Arten immer weiter nördlich überwintern. So ist inzwischen auch der Zwergsäger - früher noch 20 bis 40 Individuen pro Winter - zur Rarität am Bodensee geworden.

 

Dass es sich lohnt, wirklich jeden Vogel genau anzuschauen, belegen bemerkenswerte Kleinvogelnachweise: Der Nachweis eines Tienschanlaubsängers im Frühjahr stellte den vierten Nachweis am Bodensee überhaupt dar, ein Goldhähnchenlaubsänger im Dezember 2024 war sogar ein Erstnachweis für das Gebiet. 

Nebelkrähe - Schussenmündung
Nebelkrähe - Schussenmündung

Auch Eulenfreunde kamen 2025 voll auf ihre Kosten: Der Januar ist Sperlingskauz-Zeit, und auch Uhus waren an bekannten Plätzen regelmäßig anzutreffen. Besonders viel Aufmerksamkeit erregten im Jahresverlauf jedoch die Zwergohreulen, die im Bodenseeraum über mehrere Wochen hinweg an verschiedenen Stellen zu hören waren. Insgesamt wurden zehn Reviere, mindestens fünf Paare sowie mindestens zwei erfolgreiche Bruten dokumentiert – ein bemerkenswertes Ergebnis.

 

Frühling und Frühsommer brachten extrem niedrige Wasserstände mit sich und eröffneten damit hervorragende Beobachtungsmöglichkeiten in den Flachwasserzonen rund um den Bodensee. Limikolen und andere Watvögel konnten vielerorts aus nächster Nähe beobachtet werden. Neben einer Kurzzehenlerche und einer Nebelkrähe konnten auch viele Stelzen auf den „Watten“ beobachtet werden, darunter Trauerbachstelze und mehrere Schafstelzenunterarten. Eine weitere Besonderheit des Frühjahrs waren Zwergscharben, die gleich an mehreren Stellen am See auftauchten. Gespannt wartet man jedoch weiterhin auf die erste Brut dieser Art am Bodensee.

 

Bei den Singvögeln sticht zur Brutzeit ein revierverteidigender Zistensänger im Raum Bodman heraus. Ein Brutnachweis konnte jedoch nicht erbracht werden. Ungünstig für viele wasserbrütende Vogelarten war hingegen der sehr abrupte Wasseranstieg Ende Juni nach starken Regenfällen. Es war herzzerreißend zu beobachten, wie Blässhühner und Haubentaucher versuchten, ihre Bruten zu retten – indem sie auf auftreibenden Nestern weiterbrüteten oder diese verzweifelt immer weiter erhöhten. Entsprechend wurden im Sommer deutlich weniger Haubentaucher- und Blässhuhn-Familien festgestellt als in anderen Jahren. Vermutlich wurden auch viele Entenbruten zerstört. 

Ringschnabelente - Hafen Unteruhldingen
Ringschnabelente - Hafen Unteruhldingen

Der Herbstzug stand dem Frühjahrszug in nichts nach. So konnten Lachseeschwalbe und Brandseeschwalbe gleichzeitig am Bodensee beobachtet werden, etwas später erfreute man sich ungewöhnlich vieler Raubseeschwalben. Wer abseits der Wege die höher gelegenen Ackerflächen im Blick behielt, konnte mit etwas Glück einen Mornellregenpfeifer entdecken.

 

Besonders exotisch wirkte der Einflug von drei Rosaflamingos am Bodensee. Vermutlich handelte es sich dabei um den zehnten Nachweis wildlebender Rosaflamingos am Bodensee. Weitere ornithologische Highlights waren ein Rallenreiher Anfang September in der Hegnebucht, zehn Sichler im Oktober bei Wollried sowie zwei junge Schwalbenmöwen auf dem Obersee. Im Oktober gelang zudem der zweite Nachweis eines Seidensängers am Bodensee.

Der Winter brachte besonders Entenfreunden einige besondere Beobachtungen: Rund um den Bodensee konnten unter anderem Ringschnabelente, Eisente, Kanadabergente und Eiderenten festgestellt werden. Abseits der Seefläche überraschte der Erstnachweis eines Waldpiepers für die Region Bodensee. 

 

Mit großer Vorfreude blicken wir nun gemeinsam auf das Vogeljahr 2026, das bereits mit den ersten schönen Beobachtungen begonnen hat.