Terminübersicht Wasservogelzählungen am Bodensee im Sommer 2017

Wasservögel, 04.02.2012, Ermatingen West (Foto S. Trösch)
Wasservögel, 04.02.2012, Ermatingen West (Foto S. Trösch)

Die monatlichen Wasservogelzählungen finden im Sommer 2017 an folgenden Stichtagen statt:

 

Samstag, 13. Mai 2017

Samstag, 17. Juni 2017

Samstag, 15. Juli 2017

Samstag, 12. August 2017

 


kurzberichte der sommer-wvz

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Kurzbericht Sommer-WVZ Bodensee 2016.pdf
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Kurzbericht Sommer-WVZ Bodensee 2015.pdf
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Kurzbericht Sommer-WVZ Bodensee 2014.pdf
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Drittes Treffen der Wasservogelzählerinnen und Wasservogelzähler 2014

Erst zum dritten Mal in der über 50-jährigen Geschichte der seeweiten Wasservogelzählungen am Bodensee trafen sich nach den Zusammenkünften von 2007 (Kreuzlingen) und 2011 (Moos) am 4. Juli 2014 auf der Insel Reichenau Zählerinnen und Zähler aus den Bodensee-Anrainerstaaten.

Mit 20 Teilnehmenden (Gruppenbild unten) entsprach die Beteiligung dem Treffen von 2011, obwohl die Fußball-WM eine starke Konkurrenz bildete; auch die schweizerische WVZ-Koordinatorin Claudia Müller von der Vogelwarte Sempach war wieder dabei. Den Auftakt bildete eine gemeinsame Exkursion zum bedeutendsten Wasservogel-Mauserplatz am Bodensee. Vom Beobachtungsturm in der Ruine Schopflen bot sich ein eindrucksvoller Blick auf die Wasservogelscharen im Ermatinger Becken und in der Hegnebucht. Beide Seebuchten gehören zum NSG „Wollmatinger Ried-Untersee-Gnadensee“ und sind ganzjährig streng geschützt, sodass hier im Hochsommer u. a. bis zu 5.000 Kolbenenten und über 1.100 Höckerschwäne weitgehend ungestört ihr Großgefieder mausern können.

Auf die Exkursion folgten im NABU-Naturschutzzentrum Wollmatinger Ried Informationen von Hans-Günther Bauer und Harald Jacoby über inhaltliche und organisatorische Fragen der WVZ, u. a. über den Abschluss der Digitalisierung der Zählstrecken, die geplante Erweiterung der WVZ-Datenbank, aktuelle Ergebnisse der Sommer-WVZ und bevorstehende Zählprogramme. Beim gemütlichen Zusammensein wurden auch andere brennende Themen der Ornithologie und des Artenschutzes diskutiert.

Aufgrund der positiven Resonanz sollen die WVZ-Treffen künftig im zweijährigen Turnus stattfinden.

 

WVZ-Treffen am 04.07.2014 (Foto S. Trösch)
WVZ-Treffen am 04.07.2014 (Foto S. Trösch)

internationale wasservogelzählungen bodensee

Der Bodensee ist aufgrund seiner großen Fläche und seiner vielfältigen Lebensräume ein hervorragendes Brut-, Mauser-, Zugrast- und Überwinterungsgebiet für Wasservögel in Mitteleuropa. Besonders für Durchzügler und Wintergäste hat der See seit 1970 erheblich an Bedeutung gewonnen. Zwei Veränderungen waren dafür ausschlaggebend:


Die Gewässereutrophierung seit den 1960er Jahren mit der Folge eines erhöhten Nahrungsangebotes, von der primär die unspezialisierten Pflanzen fressenden Gründelenten, aber auch die Fischfresser (aufgrund der Zunahme der Weißfische und des Flussbarsches) profitierten. Beträchtliche Bestandszunahmen waren die Folge. Zur gleichen Zeit erlitten Nahrungsspezialisten wie die Kolbenente allerdings deutliche Bestandseinbußen, da ihre Hauptnahrung, die Armleuchteralgen, mit der zunehmenden Eutrophierung ab 1962 flächenhaft verschwand.

 

Einhergehend mit der Eutrophierung erfolgte die Einwanderung der Dreikantmuschel Mitte der 1960er Jahre. Das Überangebot an Plankton ermöglichte die starke Vermehrung der Dreikantmuschel. Nicht zuletzt mit dieser neuen ergiebigen Nahrungsquelle entwickelte sich der Bodensee zu einem der international bedeutendsten Rast- und Überwinterungsgebiete für Wasservögel in Mitteleuropa.

 

Das Internationale Büro für Wasservogelforschung (IWRB), heute Wetlands International, baute in den 1950er und 1960er Jahren ein europaweites Zählnetz zur Erforschung und Dokumentation der wandernden Wasservögel auf, das inzwischen auf weite Bereiche Afrikas und Festlandasiens sowie Teilgebiete Amerikas und Australasiens ausgedehnt worden ist. In dieses Erfassungsnetz, durch das von Mitte November bis Januar die Daten (fast) flächendeckend und gleichzeitig über einen sehr großen geographischen Raum erhoben werden, ist auch das Bodenseegebiet einbezogen.

 

Die Zählergebnisse des gesamten Bodensees werden von der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Bodensee an die nationalen Dokumentationsstellen für Schwimmvogelzählungen in Münster (Deutschland) und Sempach (Schweiz) weitergeleitet.

Seit 1961 werden von September bis April alle am Bodensee auftretenden Schwimmvögel erfasst, in den Monaten November und Januar zusätzlich auch die Möwen. Das Seeufer ist derzeit in 96 Streckenabschnitte unterteilt, die von 38 Mitarbeitern bearbeitet werden. Die Zählstrecken wurden so festgelegt, dass sie alljährlich in gleicher Weise bearbeitet werden können und keine Doppelzählungen an Zählgebietsgrenzen auftreten. Die Zähltermine liegen immer an dem Wochenende, das dem 15. eines Monats am nächsten kommt. Nur bei sehr schlechten Wetterbedingungen, etwa bei Sichtweiten unter 300 m, werden die Zählungen auf einen der folgenden Wochentage verschoben. Mit Hilfe von Spektiven lassen sich die Wasservögel am Bodensee bei guter Sicht bis zu Entfernungen von etwa 2-3 km artspezifisch erfassen. Die Schwärme werden genau ausgezählt; nur bei sehr dichten oder großen Ansammlungen von mehreren tausend Individuen werden die Zahlen in Näherungsverfahren bestimmt. Dabei liegen die Schätzwerte meist unterhalb den tatsächlichen Werten. Da zudem Ausweichflüge und Aufenthalte auf nicht kontrollierbaren Flächen in uferfernen Bereichen vorkommen, können manche Vogelschwärme von den Zählern nicht erfasst werden. Deshalb handelt es sich bei den Bestandszahlen in der Regel um Mindestwerte. Seit Mitte der 1980er Jahre werden zudem Störereignisse erfasst (z. B. Bootsverkehr, Personen am Ufer), die eine grobe Bewertung von Störeinflüssen auf die Bestandszahlen ermöglichen sollen.

 

Die langjährigen Zählungen haben unter anderem dazu beigetragen, dass die wichtigsten Überwinterungs- und Zugrastgebiete für Wasservögel wie das Wollmatinger Ried mit Teilen des Ermatinger Beckens und das Vorarlberger Rheindelta als 'Feuchtgebiete internationaler Bedeutung' nach der Ramsar-Konvention von 1971 anerkannt wurden.


Wasservogelzählung gesamter Bodensee: Wintersummen September-April 1961/62 bis 2015/16


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Bauer & Werner (2012): Stille Revolution im Bodensee: Wasservögel und wirbellose Neozoen
Am Bodensee wird schon seit den 1950er Jahren die Ausbreitung und Vermehrung nicht heimischer Wirbelloser festgestellt. Am Beispiel überwinternder Wasservögel kann dargestellt werden, welchen Einfluss die oft massenweise auftretenden gebietsfremden Tiere auf die einheimische Fauna und Flora haben können. Es zeigt sich, dass eingewanderte Wirbellose keineswegs nur negative Effekte mit sich bringen, sondern manche Vogelarten – zum Beispiel die Tauchenten oder kleinen Lappentaucher – von deren Ausbreitung und Massenvermehrung auch erheblich profitieren können. Der Anstieg der Zahl gebietsfremder Tierarten im Bodensee in jüngster Zeit ist allerdings bedenklich.
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